Viele internationale Flaggen wehen an Fahnenstangen vor blauem Himmel mit Wolken.

„Basel IV“ wird die Kreditlandschaft verändern

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Seit Anfang 2025 gelten die für alle in der Europäischen Union arbeitenden Banken verbindlichen, weiteren Vorschriften zur Kreditvergabe, kurz „Basel IV“ genannt. Insbesondere viele Mittelständler spüren nun, daß die Kreditvergabe durch Banken noch einmal härter, teurer und deutlich unberechenbarer geworden ist. Und dies ausgerechnet in einer Phase, in der viele Unternehmen dringend neue Kredite bräuchten, um z.B. in Sachen Digitalisierung oder Energieeffizienz auf der Höhe der Zeit zu bleiben. „Wir erleben eine regelrechte Finanzierungslücke“, sagte kürzlich ein Finanzberater. Und weiter: „Wer investieren will, stößt bei klassischen Banken oft auf geschlossene Türen.“

Der „Output Floor“: Warum Banken mehr Eigenkapital vorhalten müssen und Kredite teurer werden
Im Zentrum der durch „Basel IV“ angestoßenen Veränderungen steht der sogenannte „Output Floor“. Er bestimmt, in welchem Maß die kreditgebenden Banken die für die verschiedensten Kreditarten und Kreditnehmer die von der Bankenaufsicht vorgegebenen Risikoansätze auf Basis eigener Berechnungen maximal unterschreiten dürfen. Die bisher von den Banken für die Risikobewertung entwickelten, eigenen Rechenmodelle dürften damit weitgehend obsolet geworden sein. Die praktische Auswirkung zeigt sich in einem teilweise deutlich höheren Eigenkapitalansatz bei den kreditgebenden Banken, was sich für die Kreditnehmer in höhe-ren Zinsen und insgesamt „schwierigeren“ Kreditverhandlungen niederschlägt. Und bis zum Jahr 2030 ist kei-nerlei Entspannung zu erwarten, denn bis dahin wird der nun gesetzlich vorgegebene Risiko-Mindestansatz von Jahr zu Jahr weiter steigen.

Der Handlungsspielraum der Banken bei der Kreditvergabe wird bis zum Ende dieses Jahrzehnt somit immer weiter eingeschränkt. Immer mehr Kreditentscheidungen, die bisher kaum diskutiert wurden, können sich dann als problematisch erweisen. Kreditprüfungen werden länger dauern, Banken verlangen zusätzliche Si-cherheiten und auch laufende Kreditlinien werden mehr als bisher hinterfragt und gegebenenfalls gekürzt. Und wieder einmal werden kleine und mittlere Unternehmen (sogenannte KMUs) stärker betroffen sein als „die Großen“. Denn weil die KMUs im Regelfall nicht über ein „Rating“ einer der großen, internationalen Ratingagenturen (z.B. S&P, Moody’s oder Fitch) verfügen, müssen die an sie vergebenen Kredite als vergleichsweise „risikoreich“ bewertet werden. Für die Bank bedeutet das: Jeder an ein nichtgeratetes Unternehmen vergebene Kredit bindet anteilig mehr Eigenkapital als bei einem Konzern mit Rating. Und die damit verbundenen Mehrkosten werden die KMUs zu tragen haben.

Ein bisschen „Milei“ könnte Deutschland nicht schaden
Gleichwohl gilt es gerade für KMUs, sich auf die nächsten Kreditverhandlungen rechtzeitig und umfassend vorzubereiten. Unter Umständen könnte dabei das Einholen eines externen Ratings durch eine Ratingagentur für KMUs lohnen (z.B. Creditreform Rating AG, Inbonis Rating, Scope Ratings oder Mode Finance). Die Kosten für ein externes Rating können sich nur teilweise lohnen, wenn dadurch lediglich die Kreditkonditionen etwas günstiger werden sollten. Es wäre von seinem Nutzen her jedoch fast unbezahlbar, wenn nur mit einem sol-chen Rating noch eine positive Kreditentscheidung erreicht werden könnte. Es kann darüber hinaus sinnvoll sein, die Unternehmensfinanzierung breiter als bisher aufzustellen. Soweit sie noch nicht genutzt werden, können hier z.B. Finanzierungsinstrumente wie Forderungsfinanzierung, Leasing oder das Ansprechen privater Kreditgeber sinnvoll werden.

Fazit:

Eines steht fest: Die wegen Basel IV wieder einmal restriktivere Kreditvergabe durch die Banken trifft die deut-sche Wirtschaft ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, zu dem in den Unternehmen wegen der Wirtschaftsflaute eine möglichst hohe Investitionsbereitschaft herrschen sollte. Die mit Basel IV einhergehenden Schwierigkei ten und Unsicherheiten treffen Wirtschaft und Banken deshalb in einem recht ungünstigen Zeitpunkt. Mit an-deren Worten die Politik fordert auf der einen Seite Wachstum, während auf der anderen Seite Regeln wie Basel IV die Beschaffung des dafür erforderlichen Kapitals erschweren. Basel IV wirkt hier wie ein zusätzlicher Bremsklotz. Die Verantwortlichen in kleinen und mittleren Unternehmen sollten schon jetzt eruieren, was bei den nächsten Kreditverhandlungen auf sie zukommen kann und sich bei Bedarf, gegebenenfalls mit Hilfe des steuerlichen Beraters, entsprechend vorbereiten.

Thomas Brügmann
Präsident des BDS NRW und der BVMU