Norwegen gibt neue „Bargeld-Empfehlung“
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Mitglieder!
im globalen Kampf gegen das Bargeld (und die damit verbundene Freiheit) galten bisher die Regierung und die Zentralbank von Norwegen als weltweit führend. Es entstand eine der „bargeldlosesten“ Gesellschaften Europas, in der es üblich war und ist, selbst kleinste Beträge – z.B. für einen Kaffee in einem der bei praktisch allen Sehenswürdigkeiten errichteten Touristenzentren – per Kreditkarte oder Smartphone zu bezahlen. Doch nun zeichnet sich hier eine Kehrtwende ab: Ausgerechnet in Norwegen haben Regierung und Zentralbank nun einen Gegenkurs eingeschlagen und versuchen, die von ihnen selbst eingeleitete Abschaffung des Bargeldes zu verlangsamen und möglichst sogar wieder rückgängig zu machen.
Kehrtwende: Norwegen stärkt wieder das Recht auf Bargeld
Sie stoßen dabei auf eine Einzelhandels- und Gastronomielandschaft, die sich weitgehend auf
bargeldloses Zahlen eingestellt hat – laut einer aktuellen Zentralbank-Umfrage haben nur 3 % der
Norweger bei ihrem letzten Einkauf noch mit Bargeld bezahlt. Um dies wieder zu ändern, trat am 1.
Oktober eine Gesetzesänderung in Kraft, die das Recht der Bürger auf Barzahlung im Einzelhandel
wieder stärkt. Die Zahl der „Wir-akzeptieren-nur-Kartenzahlung“-Schilder an Schaufenstern und
Ladentüren dürfte damit deutlich zurückgehen.
Gesetz stärkt Barzahlung im Einzelhandel
Eine der beiden Hauptbegründungen für diesen Sinneswandel des norwegischen Gesetzgebers und der
Währungshüter ist der Hinweis auf rund 600.000 Norweger (das entspricht 10 % der Bevölkerung!), die
sich aufgrund hohen Alters oder wirtschaftlicher Schwäche entweder nicht mehr auf die neuen
Zahlungswege einstellen können oder die von keinem Kartenanbieter als Kunde akzeptiert werden. Der
andere wichtige Grund liegt in dem Wunsch verborgen, die finanzielle Stabilität der norwegischen
Volkswirtschaft zu erhöhen. Schon im April wurde in einer Pressemitteilung des Ministeriums für
Justiz und öffentliche Sicherheit die hohe Bedeutung des Bargeldes als eine „immer verfügbare
Zahlungsoption“ hervorgehoben. Nur mit Bargeld könne einigermaßen sichergestellt werden, dass die
norwegische Wirtschaft auch im Falle von „längeren Stromausfällen, Systemausfällen oder digitalen
Angriffen auf Zahlungssysteme und Banken“ nicht völlig zum Erliegen käme.
Bargeld als Schutz vor Krisen und Ausfällen
Hierzu passt eine Empfehlung der norwegischen Katastrophenschutzbehörde, stets einen gewissen
Bargeldbetrag verfügbar zu halten, mit dem dann bei einem Ausfall der digitalen Zahlungssysteme die
wichtigsten Ausgaben für den laufenden Lebensunterhalt zunächst einmal bestritten werden könnten.
Die norwegischen Behörden folgen damit nun ihren finnischen Kollegen, die bereits im Herbst 2022
eine ähnliche Empfehlung gaben. Was für Finnland und Norwegen gilt, kann in diesem Fall auch für
Deutschland nicht verkehrt sein.
Fazit: Bargeldvorrat bleibt ratsam – auch in Deutschland
Meine seit vielen Jahren immer wieder ausgesprochene Empfehlung, für den Krisen- oder Katastrophenfall eine für rund drei Monate ausreichende Bargeldmenge in kleinerer Stückelung vorzuhalten, besteht damit unverändert fort!
Thomas Brügmann
Präsident des BDS NRW und der BVMU