 
Sehr geehrte Damen und Herren,
Moskitonetze und ihre Folgen
Vor ziemlich genau einem Jahr, auf der letztjährigen Veranstaltung des
„Weltwirtschaftsforums“ (WEF) im schweizerischen Davos, forderte die
amerikanische Schauspielerin Sharon Stone die Anwesenden zu Spenden für
„Moskitonetze in Tansania“ auf. Sie selbst gab 10000 Dollar und hoffte auf
ähnlich großzügige Gaben der WEF-Teilnehmer. Diese wurden auch
angekündigt, so daß schnell von einem „Sammlungsergebnis“ von einer runden
Million Dollar berichtet wurde. Doch dem Versprechen folgte häufig
keine Tat und die erhofften Spendenzahlunen blieben zunächst aus. Auch ein
„Nachhaken“ brachte nur wenig ein. Schließlich rundete das WEF mit einer
eigenen, großzügig bemessenen Zahlung die Summe auf die besagte „Million“
auf.
Nun wurden für das Geld 236000 Moskitonetze beschafft, die an die
Bevölkerung in drei Provinzen Tansanias abgegeben wurden. Das gut gemeinte
Geschenk zog aber etliche Probleme nach sich, die nach Auffassung vieler
Experten für wohlgemeinte, aber nicht hinreichend durchdachte
Hilfsaktionen charakteristisch sind:
• Das plötzliche Überangebot an – zudem noch kostenlosen – Moskitonetzen
ließ das Geschäft der lokalen Anbieter dramatisch einbrechen. Um größere
Schäden abzuwenden, sah die Regierung Tansanias sich hier schon bald zum
Eingreifen genötigt.
• Weil es für so viele Moskitonetze auf einmal im Grunde gar keine
Verwendung gab, wurden sie auch für den Fischfang verwendet. Das ließ
wiederum die Umsätze von Herstellern und Händlern für
Fischereiartikel so kräftig einbrechen, daß die Regierung auch hier
eingriff. werden.
„Der Krieg im Dunkeln“
Der Bundesnachrichtendienst BND stand in den letzten Monaten öfter in den
Schlagzeilen, als es einem Geheimdienst lieb sein kann. Zunächst war es
der mögliche Umzug von München-Pullach nach Berlin und später ging es um
die Frage, ob BND-Agenten während des letzten Irakkrieges, der von der
rot-grünen Bundesregierung „wahlwirksam“ abgelehnt worden war, die
amerikanischen Streitkräfte mit wichtigen Informationen bezüglich
eventueller Angriffsziele versorgt haben könnten.
Wie immer man zur konkreten Ausgestaltung der Geheimdienstarbeit stehen
mag – an der Tatsache, daß praktisch jedes Land über „Schlapphüte“ verfügt
und daß die Dienste befreundeter Staaten ihre Erkenntnisse – zumindest
innerhalb gewisser Grenzen – auch austauschen, kommt man nicht vorbei.
Wenn die vergleichsweise wenigen deutschen Agenten im Irak ihren
amerikanischen Kollegen einige Hinweise gegeben haben sollten, ist dies in
Berlin ein Politikum. Vor Ort wird es kaum mehr als bloße Routine gewesen
sein.
Das große Echo, das diese mögliche Aktion nun in der deutschen Politik und
Öffentlichkeit fand, zeigt natürlich auch, daß die Tätigkeit dieser
Dienste und der damit verbundene Machtumfang allzu leicht unterschätzt
wird. Tatsächlich ist die Macht der Geheimdienste ungebrochen, wie der
unseren Leserinnen und Lesern zum Teil gut bekannte Journalist und
Buchautor Udo Ulfkotte („Verschlußsache BND“ und „Der Krieg in unseren
Städten“) in seinem gerade erschienenen Buch nachweist.
Unter dem Titel „Der Krieg im Dunkeln – Die wahre Macht der Geheimdienste“
schildert er, wie CIA, Mossad, MI 6, BND und andere Dienste hinter den
Kulissen arbeiten, mit welchen legalen und illegalen Mitteln sie Politik
und Wirtschaft lenken und inwieweit verantwortliche Politiker und ganze
Regierungen in diese Aktionen verstrickt sein können. Ulfkotte legt bloß,
daß den Diensten in Ost und West praktisch jedes Mittel recht ist, wenn es
um wirtschaftliche, politische oder militärische Vorteile geht. Unter
anderem demaskiert er die amerikanische CIA und den britischen MI 6, die
mit Lügen den Hauptvorwand für den letzten Irakkrieg lieferten oder
Foltermethoden wie in Abu Ghraib anwenden. Er beleuchtet die skandalöse
Rolle, die die CIA bei der Entführung vermeintlicher Terrorverdächtiger
spielte. Er spricht über den russischen KGB, der die Versenkung der „Estonia“
in Kauf nahm, und über den „legendären“ Mossad, der Eichmann nach Israel
entführte.
„Der Krieg im Dunkeln“ (384 Seiten) öffnet seinen Lesern die Augen über
die erheblichen Einflußmöglichkeiten der Geheimdienste in einer Zeit, in
der – nicht zuletzt wegen der immer „besseren“ technischen Möglichkeiten –
mehr als jemals zuvor spioniert wird. Das Buch kann für 22,90 Euro zzgl.
1,79 Euro Versandkostenpauschale ab sofort bezogen werden über: Verlag
Arbeit und Wirtschaft – Verlag und Versand – OHG, Postfach 1251, D-27315
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Auszug aus Klartext Nummer 140 /Februar 2006
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