Harte Attacken gegen Gregor Gysi
STEPHAN MAYER: SPD plant strategischen Brückenschlag zur Linkspartei
Wäre es nicht angezeigt gewesen, Gregor
Gysi in der Debatte um zu Guttenberg an seine eigene Doktorarbeit zu erinnern
und ihn ebenfalls zum Rücktritt aufzufordern?
Ich habe meine Zweifel, ob Gysis Doktorarbeit
unseren Qualitätsanforderungen entspricht und dass er befugt ist, sich mit dem
Titel Doktor der Rechtswissenschaften zu schmücken. Was mich allerdings bei der
Person Gysi mehr umtreibt, ist seine DDR-Vergangenheit. Gysi hat offenkundigen Mandantenverrat
begangen, was nach
deutschem Recht ein Straftatbestand ist. Es ist
offenkundig und eindeutig belegt, dass Gregor Gysi ein informeller Mitarbeiter
des Staatssicherheitsdienstes war und mit verschiedenen Tarnnamen in den Akten
der Stasi geführt wurde. Es ist zudem offenkundig, dass Gysi engstens in den
Machtapparat des Unrechtregimes DDR verstrickt war. Vor diesem Hintergrund kann
ich in keiner Weise verstehen, dass Gregor Gysi mit großer Euphorie durch die
Talkshows in Deutschland gereicht wird und als „Gutmensch“ erhaben über andere
Personen urteilt –wie zum Beispiel auch über Ex-Verteidigungsminister zu
Guttenberg.
Weniger aufgeregt als bei der zu
Guttenberg-Affäre gingen die Vertreter der veröffentlichten Meinung mit den
Ausführungen von Linken-Chefin Gesine Lötzsch ins Gericht, die auf der
Rosa-Luxemburg-Konferenz den Kommunismus wieder hoffähig machen wollte.
Die Äußerungen von Frau Lötzsch zeigen, dass
die Linkspartei immer noch
nicht in der bundesrepublikanischen Wirklichkeit
angekommen und dass
sie nach wie vor in der DDR-Nostalgie verwurzelt
ist. Und dass sie vor allem
auch das Schicksal negiert, das
Hunderttausende von Menschen in der
ehemaligen DDR, aber auch in vielen anderen
kommunistischen Staaten des
ehemaligen Ostblocks erleiden mussten. Wer
mit einem kommunistischen
Regierungssystem liebäugelt, führt eine rückwärtsgewandte
Diskussion, die
eigentlich schon überwunden schien.
Fehlt es nicht grundsätzlich an einer
starken inhaltlichen und argumentativen Auseinandersetzung
mit der SED-Nachfolgepartei?
Die Meinung von CDU und CSU hinsichtlich der
Linkspartei ist klar und eindeutig. Ihre Frage müsste sich mehr an die SPD
richten. Unter der Führung von Siegmar Gabriel herrscht in großen Teilen der
Sozialdemokraten die Auffassung vor, dass es strategisch sinnvoll sein könnte,
einen Brückenschlag zur Linkspartei vorzunehmen, um eine Regierungsmehrheit auf
Bundesebene zu erreichen. Wir müssen ja jetzt schon zur Kenntnis nehmen, dass
in Berlin, aber auch in Brandenburg, die SPD ganz unverhohlen mit denjenigen
praktiziert, die – zumindest in Teilen – das
DDR-Unrechtregime aufrechterhalten und
gestützt haben.