HEINRICH L. KOLB: Zustimmungslösung statt Anspruchgesetz
Familienpflegezeit - Auf Freiwilligkeit basierend
Der Berliner „Tagesspiegel“ umriss die
Persönlichkeit des FDP-Bundestagsabgeordneten
Heinrich L. Kolb einmal wie folgt: „Kolb,
muss man wissen,
ist ein stiller Mensch, der ganz überwiegend
deshalb im FDP-Präsidium
sitzt, weil dort auch ein Vertreter der Fraktion
sein muss. Kolb ist
ein Sozialpolitiker, der keinen Drang ins
Fernsehen in sich verspürt und
keinen
nach Macht.“
Angesprochen auf diese Charakterisierung räumt Kolb ein, dass er in der
Tat nicht jedem Mikrofon hinterherläuft und er den Zwang nach Selbstdarstellung
nicht verspürt. Gleichwohl hält er sich für einen gestalterischen Menschen, der
im Bereich der Sozialpolitik einiges für seine Partei bewegen konnte. So zum
Beispiel beim neuen Gesetz zur Einrichtung einer Familienpflegezeit, das auf
Kolbs Drängen hin von einem Anspruchsgesetz in eine Zustimmungslösung
umformuliert wurde (siehe Kasten). Mit anderen Worten: Das geplante Gesetz kann
nur umgesetzt werden, wenn der Arbeitgeber eine solche innerbetriebliche Lösung
akzeptiert. Vor allem die Mittelständler werden dem Sozialpolitiker für sein
Engagement dankbar sein, weil es zu einer Lösung gekommen ist, die auf
Freiwilligkeit basiert. Angesprochen auf das Umfragetief, das seine Partei
derzeit durchläuft, räumte Kolb Darstellungsdefizite ein. Als Beispiel nannte
er die Synergieeffekte, die durch das Wachstumsbeschleunigungsgesetz hervorgerufen
wurden. Weiterhin sei die Erbschaftssteuer mittelstandsfreundlicher gestaltet
und bei der Einkommensteuer für Familien mit Kindern habe es eine deutliche
Entlastung gegeben. Im Übrigen habe das zuvor oft verspottete Wachstumsbeschleunigungsgesetz
dazu geführt, dass das Wirtschaftswachstum in Deutschland nahezu doppelt so
hoch sei, wie in anderen Ländern der Europäischen Union. Diese Erfolge der
schwarz-gelben Koalition seien allerdings nicht mit der nötigen Vehemenz in die
Öffentlichkeit transportiert worden, so Kolbs Einschätzung. Dass die meisten
Medien diese Erfolgsgeschichte nicht gewürdigt hätten, ist für Kolb die zweite Seite
der Medaille. Kolb wörtlich: „Wenn Gerhard Schröder derart rasante Erfolge in seiner
Amtszeit gehabt hätte, hätte er jeden Tag die Festtagsglocken über die Medien läuten
lassen.“ Dennoch wolle er keine billige Medienschelte betreiben, betonte Kolb, kündigte
aber gleichzeitig eine Informationsoffensive seiner Partei an. Die neue Führungsspitze
um Philipp Rösler werde mit Sicherheit die Kernkompetenz seiner Partei im
Bereich der Steuerentlastung weiter schärfen.